Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Paroxetin - Erfolge, Nebenwirkungen, Entzug bei Absetzung
Administrator
10.11.2002, 16:44
bin gerade dabei :? war ein Jahr auf Paroxetin (die ersten Monate 40 mg und später 20 mg täglich) .. aufgrund tief sitzender über Jahre entwickelter Angstneurose und heeftigen Panikattacken. war das erste, was mir wirklich mal half .. hatte auch schon mal ´ne 2 jährige Verhaltenstherapie und die DInge im Kopf waren auch klar, aber es saß einfach zu tief. ok, genug dazu ... mir ging es wirklich richtig geil, die Attacken ließen nach und in mir entspannte sich alles nach und nach und ich entwickelte mich wieder mehr zu dem Menschen zurück, der ich vorher war ohne diesen ganzen inneren Streß. mit den Nebenwirkungen kam ich klar, hielt sich bei mir auch in Grenzen .. da waren am Anfang die bekannten kleineren Nebenwirkungen, aber da pegelte sich der Körper schnell ein. ansonsten auch bei mir die bei Paroxetin häufig vorkommende sexuelle Unlust bzw. Störungen .. war mir auch egal, für andere Leute war es da schon eher ein Problem. ansonsten noch ein immer stärker werdendes egal-Gefühl .. verbunden mit Antriebslosigkeit. ich dachte über allem zu stehen, manchmal wie Gott auf Koks .. aber kriegte manche Dinge nicht mehr auf die Reihe. aber das war mir egal, mein Zustand war um Längen besser als vor den Pillen .. ich konnte endlich wieder entspannt beginnen zu leben.
jedenfalls will ich nun mal versuchen, davon weg zu kommen ..
denke, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt. seit letzte Woche ... und nachn paar Tagen setzen nun Entzugserscheinungen ein, die mich an die Nebenwirkungen in den ersten Wochen der Beginn der Einnahme erinnern!!! also leichte Unruhe, Zittern, Schwindel ... und lustigerweise ein totales High-Gefühl .. ohne die Pillen! ich fühl mich total "drauf" und das wundert mich etwas. die WIrkung des Medikaments spürte ich selbst in den letzten Monaten gar nicht mehr so sehr .. kenn mich damit ja
neurologisch gesehen nicht so sehr aus, aber mir kommts fast vor, als würde mein Körper jetzt mehr Serotonin erzeugen, weil die Abbaublocker weg sind *lol* keine Ahnung
falls jemand Erfahrungen hat, würde mich interessieren.
yours
online 8)
Administrator
03.12.2002, 01:52
ok, nach etwa 3 Wochen wars dann vorbei mit den Entzugserscheinungen, hat sich der Körper irgendwie wieder eingepegelt .. und mir gehts jetzt relativ normal. der gewisse high-Zustand ist weg ;-) aber es gab bis jetzt auch noch keine Rückfälle bzgl. gewisser Probleme ..eigtl. is alles cool
Administrator
15.01.2004, 02:45
falls es jemanden interessiert .. lange konnte ich die Abstinenz nicht durchhalten, ich hab im Dezember 2002 schon wieder angefangen damit, weil die Angstzustände langsam wieder zurückkehrten.
seitdem nehme ich die Pillen wieder regelmäßig und es geht mir so lala, aber immer noch bedeutend besser als vor Einnahme dieser Medikamente. von daher kann ich das nicht verteufeln, auch wenn ich von Chemie abhängig bin ;)
immerhin kam dadurch die Einsicht, dass die Sache nicht von sich aus so einfach verschwindet, auch wenn die Seele etwas Ruhe hat und man abschaltet.
ich fühle mich momentan nicht in der Lage therapeutisch zu "kämpfen" und wähle den einfacheren Weg - eine Lösung für immer ist das natürlich nicht.
Administrator
09.07.2004, 16:49
Ich habe dann im Februar 2004 das Medikament noch einmal abgesetzt .. diesmal für längere Zeit.
Ich hatte es bis dahin über 2 Jahre genommen und der Grund für die erneute Absetzung war, dass ich das Gefühl hatte, dass ich meine Gedanken und Gefühle nicht mehr richtig verarbeiten konnte .. mein Kopf fühlte sich "voll" an .. wie eine Müllhalde voll Gedanken, die am platzen ist. Ich konnte auch nicht mehr richtig schlafen, lag die Nächte oft wach .. und konnte erst morgens einschlafen. Ich wollte es nach so langer Zeit der Einnahme nun noch einmal versuchen. Natürlich wurde ich auch immer von meiner Ärztin dazu ermutigt, aber letztlich konnte ich selbst entscheiden, ob und wann ich das will.
Nach dem Absetzen kamen wieder die üblichen "geliebten" Nebenwirkungen ... das Thema kannte ich ja nun schon und überraschte mich nicht mehr so sehr, wie beim ersten Mal .. aber heftig waren die Entzugserscheinungen trotzdem.
Mein Zustand verbesserte sich dann aber auch, ich konnte bald wieder normal schlafen und fand in einen "normalen" Lebensrhythmus zurück, das war mir schon wichtig.
Die ersten Monate waren dann ganz angenehm .. ich hatte auch das Gefühl, dass mein Kopf freier wird und ich manche Dinge stärker empfinde .. und es kamen auch viele Dinge aus der Vergangenheit hoch, also die vor oder während der Zeit der Tabletteneinnahme passierten .. und die ich jetzt erst richtig verarbeitete, so als wäre es "geblockt" gewesen. War irgendwie ganz komisch .. manchmal begann ich auch einfach so ohne Grund zu heulen, meine Gefühlslage schwankte ständig.
Was das Angst-Thema betrifft .. ja ich merkte schon, dass ich mir dahingehend wieder mehr Sorgen machte, dass ich mich mehr beobachtete und dass ich in diese gewissen schlauchenden "Löcher" fiel, wenn ich wieder irgendein beängstigendes (körperliches) Symptom bemerkte, was mich runterzog. Das kam alles ganz schleichend wieder zurück, aber es war nicht so wild, dass ich mir weitere Sorgen machte .. ich wurde nur wieder ernster und verspannter irgendwie.
Naja so nach 3 Monaten etwa ging es dann wieder richtig los .. es gab eine heftige Streßsituation, ich mußte etwas erledigen und verließ die Wohnung und rauchte eine und plötzlich spürte ich wieder mein Herz, meinen Puls .. ging ganz fix, steigerte sich alles .. innerer Druck-Anstieg, eine Welle der Angst erfaßte mich, Gefühl der Ausweglosigkeit .. die Panikattacke kam schnell und heftig .. ich fühlte mich erdrückt, mein Puls war schnell, bekam wenig Luft und hatte heftige Angst. zitternd stand ich sie in der Öffentlichkeit aus. sie kam schnell und sie ging auch wieder halbwegs schnell, nach 2 Stunden war alles vorbei .. ich fühlte mich leer, fertig .. aber auch irgendwie erleichtert, so als wäre Druck von mir genommen worden.
Es war nicht so heftig wie die letzten Attacken vor Beginn der medikamentösen Therapie, aber es hat gereicht, um mich wieder zurück zu holen und mich ziemlich zu verunsichern.
Es ist also noch da .. ich bin immer noch der Alte .. trotz aller Fortschritte und dem dahingehend angenehmen Leben in den letzten Jahren.
Als erstes begann ich dann sofort wieder mit dem Rauchen aufzuhören .. ich weiß auch nicht, früher in all den Jahren der Angst und Attacken, auch während der Verhaltenstherapie usw. wäre mir nie in den Sinn gekommen zu rauchen, weil ich einfach alles vermeiden wollte, was mich zusätzlich "hochputscht" .. ging gar nicht.
später als ich die Tabletten nahm und es mir nach ein paar Monaten so richtig gut ging, fing ich damit an und es begleitete mich die ganze Zeit der Tabletten-Therapie .. ich weiß auch nicht, woher dieses Suchtverlangen kam ..
Naja .. ich fing dann nach der erneuten Attacke nicht gleich wieder mit Tabletten an, obwohl ich mir immer sagte - sobald es wieder los geht, nehme ich sie wieder .. ich ließ mir Zeit. Diese Sicherheit im Hintergrund, dass ich ja jederzeit wieder anfangen könnte, gab vielleicht auch etwas Kraft.
es sind inzwischen ja fast weitere 3 Monate vergangen .. ich hatte in dieser Zeit noch mehrere Attacken oder Anflüge von Attacken ..
nicht permanent und auch nicht so heftig, aber ausreichend um mir das Leben wieder schwer zu machen. Sie zeigten sich in unterschiedlicher Form von den Symptomen und Empfindungen her. Ich war mehrmals mit meiner Partnerin etwas weiter unterwegs im Frühjahr zu Besuchen (Familienfeiern) und merkte, dass auch das Verreisen wieder mit Anspannungen und Problemen verbunden ist und mir ziemlich die Freude daran nahm.
Aber es traf mich auch zu Hause in gewohnter Umgebung. Es zeigten sich auch ganz neue Formen .. normalerweise hatte ich ja immer diese Puls bis zum Maximum Attacken .. also Herz-fixiert.
Nun wurde mir einmal schlecht und schwindlig, ich stand auf wackligen Füßen .. fühlte mich unwohl, die Angst kam. Ich dachte nicht, dass das 'ne Art Panikattacke sein könnte .. und genau das ließ die Angst zu.
es steigerte sich so sehr, dass ich Wohnung verlassen und verpeilt draußen rumrennen mußte, um mich zu beruhigen, kriegte mich kaum ein und war schon wieder kurz war, den Notarzt zu rufen (so wie früher vor langer Zeit öfter mal) .. zum Glück tat ichs nicht und eine Stunde später war der Spuk auch wieder vorbei und es ging mir gut .. es war also psychisch ... einfach verrückt, ich hatte nicht einmal das übliche Herzrasen.
Naja, will dazu nicht weiter ins Detaill gehen .. im Vergleich zu den "AKtionen" früher war das alles auch relativ lächerlich.
Ich würde meinen Zustand jetzt auch nicht wirklich als kritisch bezeichnen .. ich Vergleich zu der Zeit vor 3 Jahren, wo ich richtig am Boden war, geht es mir selbst mit den jetzigen teilweisen Anspannungen und leichten Attacken richtig prima.
Aber trotzdem .. ich will nicht, dass mein Leben und mein Verhalten irgendwie negativ bestimmt wird durch diese Angstscheiße. Ich bin recht genervt und angespannt momentan und fühle mich leer .. das merkt man mir natürlich auch an. Momentan ist mir das nicht egal, ich habe Gründe dafür .. tiefe persönliche Veränderungen, ein paar Dinge die ich momentan bewältigen muß und letztlich die erwartete Geburt meines Kindes in etwa 3 Monaten. Ich muß fit sein und will die Dinge richtig machen .. da kann ich das nicht gebrauchen. Noch dazu fühle ich mich momentan ziemlich depressiv und damit meine ich diese Leere, die einen
aufgeben lassen will .. warum auch immer, eigentlich müßte ich mich auf meine Zukunft freuen .. ein ganz neues Leben wird beginnen. Ich weiß nicht einmal genau, woran es liegt. Kurz gesagt .. für mich sind momentan meine inneren Empfindungen schlimmer als die Probleme durch die Angst.
Allerdings bedingt sich das ja auch irgendwie ... dazu kommen noch Probleme in der Partnerschaft, wobei mein Zustand durch die Angst bedingt nicht hilfreich ist.
Tja manchmal fühle ich mich wie ein Pulverfaß, was nur auf den Zünder wartet (in so einem Fall kann eine "lösende" Attacke durchaus auch eine Erleichterung sein .. hinterher) oder eben einfach nur leer, motivationslos und ohne Antrieb .. und auch leichte Selbstmordphantasien.
Vielleicht ist es so, dass ich nach dieser langen Zeit der Tabletteneinnahme und dem langen "high" nun logischerweise in ein ziemliches Loch fallen muß .. ich weiß es nicht, daher schreibe ich hier ja immer und dachte, dass man auch mal Erfahrungen von anderen lesen kann .. also speziell Langzeit-Patienten.
Naja jedenfalls war ich die Tage wieder beim Arzt .. hatte auch eine Weile gedauert, bis ich mich dazu aufraffen konnte, irgendwie fühlt man sich ja doch komisch dabei ....
und habe mir die Tabletten wieder verschreiben lassen. Ich werde in den nächsten Tagen wieder damit anfangen. Mal sehen, was sich diesmal ergibt.
bis demnächst :bye:
larssoeren
21.02.2005, 10:43
Hallo Falk,
deine Geschichte ist hochinteressant, hoffe du stellst bald mal wieder ein Bericht über deinen momentanen Zustand ins Forum.
Ich bin auf Fluoxetin eingestellt und möchte auf Paroxetin wechseln, deshalb sind deine Berichte für mich doppelt interesannt.
Viele Grüsse und alles Gute von Lars
Administrator
10.03.2005, 16:18
Hi Lars!
Was soll ich sagen, so gut wie im ersten Jahr wurde es mit dem Medikament nie wieder. http://www.virtuellerscheisshaufen.de/phpBB2/images/smilies/sad.gif
Ich bin nun ein halbes Jahr wieder auf Paroxetin, was aus o.g. Gründen nötig wurde. Es beruhigte mich auch anfangs und gab mir eine gewisse Freiheit zurück, die Angst vor den Attacken verschwand und damit auch selbige. Schien alles so, als wäre ich wieder im alten Trott und alles geregelt. Ich fing auch wieder an zu rauchen - so ungefähr in der Art, scheiß auf die Attacken, ich kann normal leben wie andere auch.
Ende September '04 begann ich jedoch wieder in meinem eigentlichen Job zu arbeiten, nachdem ich knapp 3 Jahre zu Hause war und mich treiben ließ, mich um andere und für mich wichtige Dinge (wie Musik) kümmerte.
Der Job ist toll und macht mir viel Spaß, aber ich wurde gleich wieder in totalen Streß katapultiert. Selten dass ich mal unter 12 Stunden rauskomme und hab viel Druck hier, viel Zeit für Familie und Hobby bleibt da nicht, außer am Wochenende und da schlafe ich v.a. und versuche zu entspannen. Einerseits komm ich im Job ganz gut voran, finde Beachtung und Anerkennung, kann mich verwirklichen .. das tut mir gut, ich bin auch nicht mehr so depressiv wie in meinem letzten Posting noch beschrieben, ich habe Ziele.
Nur leider steh ich ziemlich unter Strom. Bereits so nach einem Monat etwa passierte das, wovor ich mich die ganzen Jahre seit Beginn der medikamentösen Therapie gefürchtet habe - ich hatte meine erste richtige Panikattacke auf Tabletten. Und die war sehr böse.
Passierte hier auf Arbeit, ich mußte raus und taumelte durch die Straßen in Richtung eines Ärztehauses und blieb dort vor der Tür, aus Angst jeden Moment umzufallen. Ich fühlte einen extremen Druck im Innern, ich hatte Todesangst und mein Herz raste.
So wie früher in schlimmsten Zeiten .. die Tabletten blockten es also nicht mehr ab. Das war ein Knackpunkt.
Logisch, dass noch mehr Attacken folgten ... mehr oder weniger heftige, aber immer regelmäßiger. Meist hier nachmittags im Büro, manchmal auch auf der Heimfahrt. Auch über mehrere Stunden anhaltene Angstgefühle kamen zurück, es mußte ja nicht immer zu einer Attacke ausarten.
Meist ist es so, dass ich über eine gewisse Zeit merke, wie in mir so ein Druck steigt und dann spüre ich, dass sich mein Puls verschnellert.
Irgendwann ist es zu spät, ich bin total unter Strom, kann auch nich mehr ruhig sitzen bleiben .. und dann schlägt mein Herz auch unregelmäßig, das macht mir ziemlich Angst. Manchmal springt es in einen halbwegs normalen Takt zurück und dann fängt es plötzlich wieder an mit einem spürbaren Schub zu beschleunigen. Wenn die innere Erregtheit hoch genug ist, also es eine schwerere Attacke ist, dann ist der Puls permanent sehr hoch.
Ich hörte schnell wieder auf zu rauchen, inzwischen trinke ich weniger Kaffee und ab nachmittags bis in den abend hinein Schlaf- und Nerventee, um mich zu beruhigen.
Aber es nützt nix .. wenn die Attacke kommt, dann kommt sie und ich muß es ausstehen. Hab mich inzwischen schon fast wieder dran gewöhnt und versuche es, locker zu betrachten (was auch hilft).
Trotzdem macht mich das fertig, die Angst ist da .. und ich bin schon recht desillusioniert.
Wenig Schlaf, Alkohol und der Streß .. ich denke, dass das alles die Sache nicht positiv beeinflußt. Anfang November kam meine Tochter auf die Welt, es war ein wahnsinniges Ereignis und wir kommen gut klar mit ihr, sie bereichert unser Leben .. ich liebe sie, ja mein Leben hat jetzt erst irgendwie einen Sinn bekommen. Es is schon toll, aber diese gewaltige Erfahrung und Änderung des Lebens, setzt einen zusätzlich unter Druck.
Man hat Verantwortung für jemanden, obwohl man selbst oft so krasse Probleme hat, mit sich selbst nur klar zu kommen .. und später setzten auch noch heftige partnerschaftliche Probleme ein. Alles nicht gut.
Zum Jahresanfang 2005 war ich schon wieder so weit, dass ich 1-2 Attacken pro Woche hatte ... trotz Tabletten wiegesagt.
Das ist schon heftig irgendwie, wenn ich dran denke, wie gut es mir in den ersten 2 Jahren auf Tabletten ging. Was würde denn passieren, würde ich sie absetzen? :o
Ich frage mich natürlich auch, ob ich überhaupt so leistungsfähig bin, dass ich so einen Job wie momentan lange genug durchziehen kann.
Es wirkt resignierend und frustrierend ... vielleicht auch die Augen öffnend.
Man kann die Dinge zwar unterdrücken, aber die Probleme nicht lösen.
In den letzten Wochen ging es wieder etwas besser, gerade aufgrund einer gewissen Gewöhnung und Akzeptanz der Sache. Vorgestern hatte ich eine Attacke und ich blieb einfach weiter sitzen und machte meinen Job. War nicht leicht, aber letztlich kam es dadurch nicht so sehr zum Ausbruch.
Ich hab mir nun zu Anfang April wieder einen Termin bei meinem Psychologen geholt und will nun ernsthaft weitere Therapiemöglichkeiten anpacken. Die Tabletten verschonen mich also nicht mehr.
Ich habe Angst, aber ich will leben .. und zwar nicht als Wrack.
Ich denke, dass da noch ziemlich tief in mir etwas sitzt und ich endlich wieder auch andere Wege gehen muß und nicht nur Pillen schlucken.
Mal schaun, was es für Möglichkeiten gibt .. eventuell ist dieses Paroxetin auch nicht mehr das Richtige für mich.
Liebe Grüße ..
Falk
larssoeren
10.03.2005, 16:40
Hallo Falk,
ich find deine Geschichte echt packend. Bei mir ist es so das ich seit ca. 9 Wochen auf Fluoxetin bin und seitdem ein vollkommen neues Leben habe, es ist so gut das die einzige Angst die ich habe ein Rückfall in alte Zeiten ist.
Ich höre immer wieder das die Wirkung der SSRI irgendwann nachläßt und davor hab ich wie gesagt Wahnsinnschiss.
Ich muss jetzt gleich wieder los, deshalb kann ich nicht mehr schreiben, aber ich werde mir deine Berichte nochmal in Ruhe durchlesen und vielleicht kann ich dir ja auch einen Tipp geben.
Ich kenn das mit dem Herzrasen, hatte ich selbst immer wieder, dagegen gibts Betablocker (z.B. Propanolol oder Pindolol) die darfst du nur nehmen wenn du kein Asthmatiker bist und nicht unter Brakykardie leidest, außerdem sind Sie Angstlösend und verstärken die Wirkung der SSRI hinsichtlich der Depression (auf jeden Fall bei Fluoxetin, bei Paroxetin kenn ich keine Studien).
Mein Tipp geh zum Arzt, berichte von deinen Herzproblemen und geh zu sovielen Ärzten bis du was hast das dir hilft, der Herz-Kreislaufmarkt ist riesengroß, da gibts Tausende Produkte.
ich muss los, freu mich mal wieder was von dir zu hören Grüsse von Lars
:cheers:
larssoeren
10.03.2005, 16:46
Außerdem gibts noch x-Andere Medikamente die noch viel stärker Angstlösend sind als SSRI, die haben dann bestimmt Nebenwirkungen wie z.B. Müdigkeit, aber das ist doch nichts im Vergleich zu den Angstzuständen.
larssoeren
11.03.2005, 07:37
Hallo Falk,
jetzt sitz ich wieder im Büro und hab Zeit zum schreiben ;-)
Ich wollte dir nur mitteilen das ich sehr viele parallelen hinsichtlich der Wirkung der SSRI bei uns erkennen kann. Auch ich rauche erst seit ein paar Wochen wieder und ich fühl mich einfach phantastisch, fast schon zu gut...
Ich habe ähnlich wie du mit deinem Kind und deinem Job auch sehr viel Verantwortung und deshalb bin ich so dankbar für diese Tabletten. Ich kann mir und meinem Umfeld momentan so viel geben, das macht mich wirklich richtig glücklich.
Auch mein Arzt versucht mich immer wieder von den Tabletten wegzubringen, doch ich sehe darin keinen Sinn.
Mein Hauptproblem sind zwanghafte Gedanken und Sorgen über Dinge die evtl. passieren können, das sind Ängste die mich total lähmen und mich zu einem unfähigen Vollidioten machen,
und daraus entstehen dann schwere Depressionen.
Ich habe keine Lust mehr das alles in meiner Kindheit zu suchen, es ist mir egal wo es herkommt, ich bin nur so dankbar das es weg ist und deshalb bin ich so dankbar für diese Tabletten.
Ich nehme sie von mir aus mein Leben lang und wenns sein muß noch tausendmal stärkere Sachen,
auch wenn die Nebenwirkungen manchmal stark sind (vor allem wenn ich mehr als 80 g nehme) das ist alles nix im Vergleich zu den Zuständen vorher.
Jeder dems mal so dreckig ging kann das nachvollziehen und diejenigen die von Tablettenmißbrauch reden oder einem zu Johanniskraut und Jogging im Wald raten,
zu denen kann ich nur sagen, toll das es bei euch hilft, aber dann habt ihr nichtmal Ansatzweise die Probleme die ich habe.
Wenn ich wüßte ich müßte die SSRI morgen absetzen, dann wär ich wirklich wieder Suizidgefährdet, und so lebe ich ein tolles Leben.
Über Meinungen (auch Kontroverse) zu meinem Beitrag bin ich immer interessiert,
Grüsse von Lars :bye:
und Falk, falls du noch andere gute Foren mit diesem Thema kennst, vielleicht kannst du mir die Adressen nennen,
vielen Dank und ich bin gespannt auf deinen nächsten Bericht
Hallo ihr Lieben
Ich finde diesen thread auch sehr interressant und würde gerne auch meine Erfahrungen dazu berichten.
Ich nehme auch jetzt seit anderthalb Jahren Paroxetin und ich kann Larssoeren nur zustimmen.
Hätte es die nicht gegeben, hätte ich entweder 1 Jahr in der Klinik bleiben müssen oder hätte mir die nächste Brücke gesucht.
Die euphorischen Nebenwirkungen anfangs kenne ich nur zu gut,
war teilweise sehr lustig. Nach einiger Zeit ließen sie aber nach, ich wurde generell viel ruhiger, hörte auf, mich zu verletzen und bekam insgesamt eine ganz andere Einstellung zu mir und meinem Leben.
Ich glaubte auch nach ca. einem halben Jahr ohne große Panik und
meinen "Unwirklichkeitszuständen" die Tabletten herabsetzen zu können.
Ging mal deftig in die Hose und die Panik kam wie vorher zurück.
Ich habe sie wieder auf die alte Dosis erhöht und kann auch nur sagen, dass es nicht mehr wie vorher ist.
Ich habe mittlerweile starke Stimmungsschwankungen.
Wenn ich gute Laune habe bin ich extrem aufgedreht, was ich eigentlich von Natur aus bin, darum habe ich diese auch nie auf die Tabletten zurückgeführt.
Und innerhlab einer Stunde fange ich wieder grundlos an zu heulen.
Gerade menschliche Beziehungen spielen bei mir eine große Rolle.
Habe vor einiger Zeit Jemanden kennengelernt und mich endlich mal wieder verliebt. In dieser Zeit ging es mir so gut wie noch nie.
Ich habe überhaupt keiner Probleme gehabt und hatte wahnsinnig viel Energie.
Als das ganze dann aber verlaufen ist, was mich wie ich mir schon gedacht hatte, sehr mitgenommen.
Ich sah meine Gesamtsituation wieder viel deprimierter und bekam Probleme meinen Alltag in den Griff zu bekommen.
Es nervt mich tierisch, dass ich meine Situation immer von anderen abhängig mache, aber ich schaffe es nicht mir selbst zu sagen,
dass das nur an mir und nicht meinem Umfeld liegt.
Noch kurz zu Medis in akuten Situationen.
Ich selbst habe mich lange überhaupt gegen Medis gewehrt und bin heute dankbar für sie. Allerdings habe ich noch nie Medis in akuten Situationen zur Beruhigung genommen. (Außer Baldriantee- Heumann ist super)
Das hat aber auch was mit meinem Ego zu tun. Ich will das alleine schaffen. Die Medis machen die schließlich nicht weg, sie unterdrücken nur Symptome. Bei Attacken, versuche ich mich zu beruhigen und auf keinen Fall hinein zu steigern. Ich bleibe möglichst ruhig, versuche mich irgendwie abzulenken und warte die Attake ab. Danach mache ich mir Gedanken über die Ursache, wobei ich aber nie einen direkten Zusammenhang feststellen kann.
Auch Medis schützen nicht davor und ich habe auch in der Klinik so viel über mich selbst efahren, dass ich das mit mir selber ausmachen kann.
Natürlich ist es ein Scheißgefühl keine Waffe dagegen zu haben und hilflos ausgeliefert zu sein...aber nur so kann ich lernen damit umzugehen.
Und die Medis zur Stabilisierung werde ich nehmen, solange ich sie brauche. Und wenn es den Rest meines Lebens sein muss.
warum-müssen-WIR-leiden
05.05.2006, 21:40
Hallo an alle!
Ich habe mir gerade die story von falk durchgelesen und musste einfach meinen Beitrag dazu geben, weil ich schon seit wochen auf der suche nach menschen mit erfahrungen suche die ihre angst richtig beschreiben können. erstmal an falk grossen respekt für diese übersichtlichen und ausführlichen Geschichten die du hier von dir erzählst 8) Diese panik atacken müssen ja echt der horror sein, ich leide gottseidank nicht daran, jedoch bin ich auch gut ausgerüsstet was angst betrifft. ich habe mit 13 angefangen zu kiffen habe totale paranoier bekommen und leide seit meinem entzug an generalisierter angststöhrung und ziemlicher soziakler unsicherheit, meine ganze entwicklung ist im arsch und habe absolut kein selbstvertrauen mehr. mir ging es immer fantastisch bis ich mit dem kiffen angefangen habe. klar hatte ich auch schon leichte anfälle, die jedoch nicht mehr auftreten und lange nicht so schlimm waren wie bei dir. Ich nehme auch paroxetin, gegen die sozial phobie und die generalisierte angst. hat sich alles gebessert, jedoch habe ich keine glücksgefühle mehr und bin dauerhaft von angst begleitet. Fange solangsamm an mich wieder zu puschen geh trainieren und suche arbeit, einen psychologen habe ich auch jedoch ist er eigentlich mein hausartzt. Mir würde es sehr viel besser gehen wenn ich nicht mehr rauchen würde, weil dies meine angst verstärkt und mich nerv ös macht, alkohol vertrage ich auch nicht, weil ich da totale bewusstseinstöhrungen bekomme die mich noch mehr reinziehen. kaffee ist auch absolutes tabu für mich, weil es wie du schon gesagt hast puscht. Ich weis nicht genau wie ich daraus komme, aber ich weis es geht man muss nur den richtigen weg finden. ich verstecke mich nicht mehr, sondern suche den weg :) ich bekomme immer wieder solche high gefühle wie du wenn ich mich länger darein versetzte wie ich wäre hätte ich die angst nicht, deshalb habe ich mir meine eigene therapie entwickelt wie wir daraus kommen können. Ihr habt doch sicher schon was von autogenen training gehört??? kauft euch sone cd und hört sie morgens und abends die entspannt total, besonders leute mit panick atacken... auch meditation hilft gegen angst, weil ihr eure mitte findet und nicht mehr so schnell aus dem gleichgewicht fallt. falk du hast gesagt du fühlst dich wie ein pulverfass wo die zündung nur noch gezündet werden muss, ist doch logisch du hast auch sone art generalisierte angst, angst vor den attacken die dich die ganze zeit begleitet... wenn du entspannter wirst kommst du daraus wirklich, du musst es nur durchziehen, ich bin absolut kein mensch der was von joga und so hält, aber fakt ist das alles was ich darüber studiert habe einläuchtet und hilft. also an jeden der angst hat sucht euch einen therapeuten wo ihr mindestens einmal die woche hin geht entspannt euch jeden tag und nehmt weiterhin die tabletten, solange bis ihr euch hundert pro sicher seit das ihr gesund seit, solang ihr noch starke zweifel habt bringt das absetzen nichts. ihr steigert euch dann zusehr darein... mfg josef
hach.. genau diesen beitrag hab ich gesucht ;)
ich hab vor ca. 4 monaten mit der einnahme von paroxetin aufgehört. Und dann bin ich auf diesen beitrag hier gestossen und fand ihn wirklich interessant ;)
Ich kann nur sagen dass ich heilfroh bin dass ich endlich von diesem teufelszeug weg bin, der entzug war sehr hart, ich hatte andauernd diese stromschläge und benahm mich ganz komisch, war depressiv.. Noch immer kann ich es nicht glauben dass mir mein Doktor diese Tabletten einfach so verschrieben hat.. nie wieder!
lg
Administrator
26.12.2009, 11:32
Jeder muss für sich seinen Weg finden. Es gibt in der Psychotherapie keine allgemeingültigen Lösungen.
Dem einen helfen Psychopharmaka, bei anderen wirkt es sich negativ aus. Daher ist es genauso schwachsinnig, das Zeug zu verteufeln wie andererseits in den Himmel zu loben.
Diese "Stromschläge" bei Absetzungsversuchen von Paroxetin kenne ich auch. Wichtig ist, dass man ganz langsam absetzt und die Dosen immer weiter reduziert, dann hält es sich auch in Grenzen.
Leider hat sich auch mein Zustand immer wieder verschlechtert und die Panikattacken kamen wieder zurück, so dass ich wieder mit dem Medikament begann.
Fakt ist doch .. wenn man Serotonin-Mangel hat (was auch genetisch bedingt sein kann), kann man das Hormon nicht durch eine Gesprächtherapie "herbeizaubern". Die SSRI wirken auch nicht als Serotonin-Erzeuger, sondern als Blocker .. damit sich der Abbau reduziert.
Leichtfertig sollte das aber nicht verschrieben werden, sondern erst nach genauer Prüfung.
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